html_5 Quartiersmanagement Schiller-Kiez: Der Schiller-Dialog
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Im Gespräch mit der Plangergemeinschaft

Der Schiller-Dialog

„Gebietsexpert*innen, das sind die Menschen im Kiez“

Bauliche Maßnahmen im öffentlichen Raum und im Bereich der sozialen Infrastruktur sollen im Schillerkiez in den kommenden Jahren über das Förderprogramm Lebendige Zentren und Quartiere finanziert werden. Grundlage hierfür ist ein sogenanntes Städtebauliches Entwicklungskonzept. Den Auftrag für die Erstellung des Konzepts hat das Bezirksamt Neukölln an die Planergemeinschaft für Stadt und Raum eG vergeben. Seit August ist sie nun auch Gebietsbeauftragte, die den Bezirk bei der Umsetzung der zukünftigen Maßnahmen unterstützt. Wir haben die Planerinnen und Planer getroffen und mit ihnen über den Kiez, die Beteiligung der Anwohnenden und die nächsten Schritte im Prozess gesprochen.

Freitagmorgen, 9 Uhr, am Herrfurthplatz – rund um den Tisch sitzen Winfried Pichierri, Silke Wiesenhütter, Kim Larissa von Appen von der Planergemeinschaft und Klara Schmidt vom Stadtentwicklungsamt Neukölln – zuständig für das Förderprogramm Lebendiges Quartier Schillerpromenade. Der Herrfurthplatz ist zentraler Ort hier im Kiez. „Man hat ein ganz angenehmes Gefühl, wenn man hier sitzt“, findet Winfried Pichierri. Der Kiez strahle etwas Besonderes aus und habe eine besondere Geschichte: „Der Schillerkiez ist ein historisches Stadtquartier, entwickelt zu Anfang des 20. Jahrhunderts.“, erklärt der Stadtplaner. Konzipiert für das besserverdienende Bürgertum, baute man hier prächtige Fassaden, mit Bäumen gesäumte Straßen und eine Promenade mit Allee und einem Platz.

Milieuschutz- und Erhaltungsgebiet

„Seit der Einstellung des Flugbetriebs 2008 hat sich der Kiez verändert. Durch das Öffnen des Tempelhofer Feldes ist auch der Schillerkiez als beliebtes Wohnquartier in den Fokus vieler Wohnungssuchenden und auch Investoren gerückt, was sich leider auch auf die Mietpreisentwicklung niederschlägt. Hierauf hat der Bezirk Neukölln reagiert und auf Basis einer Voruntersuchung 2015 beschlossen, dass eine Milieuschutzverordnung für das Gebiet Schillerpromenade erlassen werden soll", so die Planergemeinschaft. Das heißt, wenn es zum Beispiel um Sanierung von Eigentum geht, gelten bestimmte Auflagen. Betroffene Mieter*innen können sich, im Falle angekündigter Vorhaben, die den Milieuschutz betreffen, bei einer Mieter*innenberatung aufklären lassen.

„Zusätzlich ist es ein städtebauliches Erhaltungsgebiet“, ergänzt Silke Wiesenhütter. An der Grundstruktur wie Straßenzügen und Gebäuden solle es also möglichst wenig Veränderungen geben, Eigentümer*innen seien an die Verordnung über die Erhaltung baulicher Anlagen, der städtebaulichen Eigenart sowie der Zusammensetzung der Wohnbevölkerung des Gebietes „Schillerpromenade“ gehalten. Die Planergemeinschaft sieht sich auch hier in der Pflicht: „Einerseits ist es die Aufgabe des Bezirks, den öffentlichen Raum an heutige Bedarfe wie z.B. der Barrierefreiheit und der sicheren Nutzung anzupassen, andererseits ist es im Sinne des Erhalts der vorhandenen Durchmischung der unterschiedlichen Sozialstruktur erforderlich, die Luxussanierung zu bremsen, um eben diese unterschiedlichen sozialen Strukturen zu erhalten“, so Pichierri.

Der Schiller-Dialog als Beteiligungsprojekt am Konzept

Hier setzt auch das Städtebauliche Entwicklungskonzept an. Denn es geht darum, Bedarfe der Bewohner*innen abzufragen und den öffentlichen Raum dahingehend anzupassen, dass insbesondere die hier lebenden Menschen einen Nutzen davon haben. Anpassungen wären zum Beispiel das Herstellen von Barrierefreiheit innerhalb der Gehwege, sichern von Querungsmöglichkeiten aber auch Verbesserungen für den Radverkehr. Gleichzeitig gilt es Räume und Plätze für Kinder und Jugendliche zu sichern oder neu zu schaffen. Aber auch der Klimaschutz ist in Zeiten der stetigen Klimaerwärmung ein wichtiger Aspekt bei allen Maßnahmen. Ziel ist es, weitere Versiegelung zu vermeiden und, wo möglich, Flächen zu entsiegeln. Im Auftrag des Bezirkes Neukölln prüft die Planergemeinschaft das Quartier auf Defizite und Handlungsbedarfe unter anderem in den Bereichen soziale Infrastruktur, Bildung, Grünflächen, Straßen und Verkehr. Nur auf Grundlage dieses Konzepts kann auf Mittel der Städtebauförderung zugegriffen werden. „Das städtebauliche Entwicklungskonzept wird den Rahmen vorgeben für die nächsten Jahre“, sagt Wiesenhütter.

Rückblick: Unter dem Titel „Schiller-Dialog“ organisierte die Planergemeinschaft gemeinsam mit denAkteur*innen im Kiez und dem Bezirksamt eine Auftaktveranstaltung im Januar 2020, bei der erste Ideen zum städtebaulichen Entwicklungskonzept vorgestellt und diskutiert wurden. „Es ist wichtig, dass man das Feedback in solchen Runden kriegt und erfährt, was die Leute derzeit am meisten bewegt und wo wir als professionelle Planer*innen einen ganz anderen Blick haben“, sagt Silke Wiesenhütter. Die Bevölkerung also als Gebietsexpertinnen und -experten mit Innensicht. Im Anschluss an die Veranstaltung wurden dann Maßnahmen entwickelt, die wiederum zur Diskussion gestellt werden sollten – und dann kam Corona. 

Sieben Themen kristallisieren sich heraus

Pandemiebedingt wurde aus der geplanten zweiten Zusammenkunft mit den Kiezbewohner*innen eine Schaufenster-Ausstellung in der evangelischen Genezareth-Kirchengemeinde am Herrfurthplatz. Vier Wochen lang konnten die Vorschläge der Planergemeinschaft dort angesehen und online bzw. analog per Briefkasten kommentiert werden. Zusätzlich konnten alle Interessierten an zwei Terminen persönlich mit den Planer*innen aus der Verwaltung und von der Planergemeinschaft im Freien diskutieren und direkte Fragen stellen. Eingeladen wurde über eine Briefwurfsendung und auch über das Schillament. „Beim Gespräch mit den Bewohner*innen, war vor allem die Verkehrssituation im Kiez Thema“, erinnert sich Silke Wiesenhütter. Stark betroffen sei der Kiez von einem Verdrängungsverkehr bei verstopfter Hermannstraße. Dann würden viele mitten durch das Wohngebiet fahren.

Doch es wurden im Rahmen des Schiller-Dialogs noch mehr Themen von den Anwohnenden auf den Plan gerufen. „Wir konnten sieben Themen aus allen Kommentaren clustern: fließender und ruhender Verkehr, Gestaltung des öffentlichen Raums, insbesondere der Schillerpromenade, Fahrradverkehr, Barrierefreiheit, Müll und ganz besonders Lärm“, fasst Winfried Pichierri zusammen. 

Was ist umsetzbar, was nicht?

„Manche Themen können wir mit städtebaulichen Mitteln nur schwer beheben, aber wir können Impulse setzen und Denkanstöße geben“, sagt Wiesenhütter. Andere Themen ließen sich aus Planungssicht wiederum gut bearbeiten. „Barrierefreiheit herstellen, die verkehrlichen Aspekte und auch die Interessen von Fahrradfahre*innen – viele Dinge kann man angehen“, sagt Pichierri. Auch fehle es an Kitas und Plätzen für Jugendliche. Aufgrund fehlenden Flächenpotenzials ist dieses Problem natürlich nicht so leicht zu beheben, hier müsse der Bezirk dann auch über die Gebietsgrenze hinaus schauen. Wichtig sei, alles auf Umsetzbarkeit und auch unter Klimaschutz-Gesichtspunkten zu prüfen. So gelte es, möglichst wenige Flächen zu versiegeln und möglichst viel unversiegelte Flächen zu erhalten. Die Planergemeinschaft nimmt in dem ganzen Prozess eine begleitende und beratende Funktion ein und sucht aktiv den Dialog mit der Bewohner*innenschaft. Umsetzen müssen die Maßnahmen dann die bezirklichen Fachämter.

Im Dialog bleiben

Der Prozess steht noch ganz am Anfang und die Projekte werden in den nächsten Jahren Stück für Stück umgesetzt. Bei alldem gilt es, im Dialog zu bleiben. Bewohner*innen des Schillerkiezes finden Informationen zu den geplanten Maßnahmen auf der Seite Lebendiges Quartier Schillerpromenade und auf der Seite der Planergemeinschaft, die den Prozess vorerst für die nächsten drei Jahre begleitet. Mehr Informationen gibt es dann auch auf den Kanälen des Quartiersmanagements und des Schillaments.