html_5 Quartiersmanagement Schiller-Kiez: "Die Schule ist der Anker"
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Andrea Schwenn von der Karl-Weise-Schule im Interview

"Die Schule ist der Anker"

 

Corona begleitet uns nun schon einige Zeit. Während all der Monate standen die Schulen, als strukturgebende und systemrelevante Orte sehr im Fokus. Wie hat sich der Schulalltag mit dem Virus verändert und wie liefen Lockdown und Neustart im Schillerkiez? Schulleiterin Andrea Schwenn hat uns einen Einblick in den neuen Alltag der Karl-Weise-Schule gegeben.

 

QM: Wie fällt ihr Resümee der letzten Wochen aus, was den Umgang mit dem Virus im Schulalltag angeht?

Andrea Schwenn: Das ganze Kollegium ist super engagiert. Wir halten nach besten Kräften den Musterhygieneplan ein, der ja die offizielle Vorgabe ist. Es ist uns bis dato gelungen, den Schulbetrieb immerhin so auszuführen, dass die Kinder wieder eine Regelmäßigkeit im Tagesablauf haben und dass sie gemeinsam lernen können. Viel Engagement ist da und alles wurde auf den Kopf gestellt. Wir tragen das mit Fassung.

 

QM: Wird das Hygienekonzept stetig angepasst?

Andrea Schwenn: Wir bessern beim Hygienekonzept ab und zu nach. Zum Beispiel haben wir jetzt einen offenen Anfang, das heißt, dass die Kinder schon ganz früh kommen sollen. Das wird von den Eltern leider nicht so gut wahrgenommen. Allerdings brauchen wir die Zeit morgens: Zuerst wird kontrolliert, ob alle eine Maske dabei haben, dann wird jedes Kind zum Händewaschen geschickt und nach dem Händewaschen gehen die Kinder in die Klassen. Das ist eine ganz gravierende Änderung. Daher ein Appell an die Eltern, uns das ein bisschen leichter zu machen und die Kinder schon ab 7.30 Uhr schicken.

 

QM: Gibt es noch mehr Punkte, die die Eltern in diesen Zeiten beachten sollten?

Andrea Schwenn: Manchen Kindern wird immer noch keine Maske mitgegeben, da stellt die Schule eine bereit. Wir müssen auch Eltern immer wieder sagen: Setzt die Maske richtig auf, wenn ihr in die Schule kommt – über Mund und Nase!

 

QM: Gibt es konkrete Maßnahmen, die in der Hinterhand sind für eine mögliche zweite Welle?

Andrea Schwenn: Wir können hier innerhalb der Schule nicht noch mehr Schutzmaßnahmen ergreifen, als wir das ohnehin schon gemacht haben. Da kann ich nur appellieren an alle Familien – bitte bleibt unter euch! Bitte geht nicht unter viele Menschen und wenn, dann schützt euch! Wir wollen auf keinen Fall, dass die Schulen geschlossen werden. Wir sind aber auch gerüstet für den Fall, dass Klassen zuhause bleiben müssen. Für alle Klassenstufen wurden Materialien zusammengestellt.

 

QM: Wie ist Ihre Schule in Sachen Digitalisierung aufgestellt? Wurde die durch Corona mehr gefördert?

Andrea Schwenn: Wir haben im Kollegium Digital Natives, die im ersten Lockdown digitale Medien ganz viel benutzt haben. Da haben wir gute Erfahrungen gesammelt, wie das alles funktionieren kann. Also generell stehen wir der Digitalisierung sehr offen gegenüber. Wir haben es ja aber hier mit Grundschülern zu tun – lesen lernen muss man eben mit einem Buch und schreiben lernen, indem man den Stift festhält und den Stift führt. Da muss einfach von Mensch zu Mensch gearbeitet werden.

 

QM: Sehen Sie große Unterschiede bei den Familien, was die technische Ausstattung angeht?

Andrea Schwenn: Ja! Da ist ein starkes soziales Gefälle und ein riesiges Problem! Wir haben Kinder, da gibt es kein Tablet, keinen Computer, vom Drucker reden wir gar nicht. Wir konnten 15 Familien mit einem IPad ausstatten, aber wir wissen nicht, ob die Familien WLAN zu Hause haben. Aber auch mit digitaler Ausstattung – das geht alles nur bis zu einem bestimmten Grad und ersetzt nicht das Lernen in der Schule. Das ist einfach unmöglich an einer Grundschule.

 

QM: Was hat die Krise mit den Kindern gemacht?

Andrea Schwenn: Die meisten Kinder sind froh, in die Schule kommen zu können. Hier können sie einfach Kind sein. Wir haben Platz, schöne Spielgelegenheiten und Sportgelegenheiten und wir nutzen die Zeit, um auf Ausflüge zu gehen. Bei den Kindern zu Hause ist oft wenig Platz, dann sind die kleinen Geschwister noch da. Deshalb kommen die meisten Kinder gerne und sind lernbereit, haben Spaß und freuen sich, dass sie mit anderen Kindern hier zu tun haben. Es ist schon immer so gewesen, dass manche Kinder auch nicht gerne in die Ferien gegangen sind. Es gab ein paar Familien, bei denen es während des Lockdowns sehr schwierig war, sie zu erreichen. Da hat die Schulsozialarbeit sehr mitgeholfen. Die Bande haben wir nie zerreißen lassen. Die Eltern wissen, die Schule ist der Anker.

 

QM: Wie viel Unterstützung kam und kommt in der Krise von öffentlicher Seite?

Andrea Schwenn: Die Neuköllner Schulaufsicht hat sehr unterstützt. Jede Schule ist anders und sie haben uns viel Freiraum gelassen, sodass wir im Rahmen unserer Möglichkeiten unser eigenes Konzept entwickeln konnten. Der Senat wiederum ist ziemlich weit weg von den Schulen und hinkt der ganzen Entwicklung hinterher. Das Thema Digitalisierung hängt weit hinten. Wir kaufen aus schulischen Mitteln jetzt eigenes WLAN ein, weil es das vom Senat frühestens in zwei bis drei Jahren geben wird.

 

QM: Wie läuft die Zusammenarbeit mit anderen Trägern und Einrichtungen hier im Kiez?

Die Zusammenarbeit mit den Partnern hier im Kiez läuft toll! Es gab das Konzept Sommerschule, das haben wir mit der Intelligenz-Quelle umgesetzt. Die haben sich da sehr reingehängt und ohne sie hätten wir das Projekt nicht machen können. Zudem hatten wir sogenannte „Lernbrücken“, das war auch sehr unterstützend. Ein weiterer wichtiger Partner ist das Deutsch-Arabische Zentrum, wo die Kinder auch während des Lockdowns Lerngelegenheiten hatten. Mit dem Projekt „Schule im Wald“ gab es zudem eine Wald- und Naturwoche. Mit unseren außerschulischen Kooperationspartnern haben wir großes Glück. Im Nachhinein sagen wir – was haben wir alles geschafft!

 

Das Interview führte Eva Schneider.

Vielen Dank an Frau Schwenn für das Gespräch!