html_5 Quartiersmanagement Schiller-Kiez: Ein Ort für alle mitten im Schillerkiez
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Die Kiezkapelle

Ein Ort für alle mitten im Schillerkiez

 

Schon seit einiger Zeit tut sich viel auf den ehemaligen Friedhofsflächen im Schillerkiez. Durch einen Wandel der Bestattungskultur bleiben immer mehr Flächen ungenutzt und es entstanden auf ihnen neue Projekte und Orte. Die Trauerkapelle auf dem Neuen St. Jacobi Friedhof an der Hermannstraße ist so ein Ort. Das denkmalgeschützte Gebäude stand leer und ist seit diesem Jahr wieder für die ganze Nachbarschaft nutzbar. Zuständig für die sogenannte Kiezkapelle ist Helen Gegenmantel vom Evangelischen Friedhofsverband. Wir haben bei ihr nachgefragt, was jetzt hier genau geplant ist und wie die Bewohner*innen des Schillerkiezes an dem Ort der Nachbarschaft teilhaben können.

 

QM: Hallo Helen, was genau macht der Evangelische Friedhofsverband und was sind dort deine Aufgaben?

Helen Gegenmantel: Der Friedhofsverband ist der Träger des QM-Projekts „Raumkoordination im Schillerkiez“, bei dem ich angestellt bin. Der Verband ist Träger geworden, weil er über große Flächen in und um den Schillerkiez verfügt, die teilweise umgenutzt werden sollen. Für den Verband ist es Grundvoraussetzung, sich der Nachbarschaft auch jenseits des Bestattungswesens zu öffnen und nachbarschaftliche Aktivitäten anzubieten. Dazu zählt auch die Vernetzung mit den Akteur*innen des Kiezes, um sich abzustimmen, bedarfsorientierte Angebote zu machen und Dinge gemeinsam auf die Beine zu stellen. Dafür bin ich in erster Linie da – Vernetzung und Kommunikation mit Akteur*innen und Nachbar*innen aus dem Kiez. Zudem beschäftige ich mich mit Raumfragen für soziale und gemeinnützige Nutzung und im Rahmen dessen vor allem auch mit der Koordination der Kiezkapelle als neuem nachbarschaftlichen Ort im Kiez.

 

QM: Wie kam es genau dazu, die Trauerkapelle für andere Projekte zu öffnen?

Helen Gegenmantel: Das alles stand im Zusammenhang mit der Veränderung der Bestattungskultur. Sargbestattungen finden fast gar nicht mehr statt und dadurch werden viele Flächen nicht mehr benötigt. Da war die Frage, was der Friedhofsverband jetzt mit den Friedhöfen an der Hermannstraße macht. Klar war, dass die Umnutzung mit der Nachbarschaft gemeinsam gemacht werden soll und dass ein Begegnungsraum geschaffen werden soll. Netzwerke hatten wir zu dem Zeitpunkt schon aufgebaut, zum Beispiel mit dem Prinzessinnengarten Kollektiv, Edible Cities Network und Campus Cosmopolis.

 

QM: Und die Kapelle?

Helen Gegenmantel: Alle waren sich einig, dass es keinen weiteren Leerstand der Kapelle geben soll. Zudem ist klar, dass es einen großen Raumbedarf gibt und daher sollte diese Kapelle auf jeden Fall saniert werden, um einen Ort der Begegnung zu schaffen, an dem auch die Grabbesucher und -besucherinnen sich wieder begegnen können. Es musste alles neu gemacht werden, Wasser, Heizung, Elektrik, eine Regenwasserzisterne. Dann kam der Worst Case: Während der Sanierung wurde Schwamm, also ein Pilz, im Gebäude entdeckt. Zudem wurde aus Denkmalgründen der Boden freigelegt. Generell brauchte es natürlich viel Abstimmung mit und viele Genehmigungen vom Denkmalamt, da das Gebäude unter Denkmalschutz steht. Jetzt ist bis auf den Vorplatz, die Fenster und den Gewölbekeller alles soweit fertig. Wir haben die Kapelle allerdings während der ganzen Zeit nie komplett geschlossen, sondern es liefen immer wieder kleinere Veranstaltungen.

 

QM: Wie genau ist die Nutzung für die Nachbarschaft gedacht?

Helen Gegenmantel: Das Ganze Nutzungskonzept ist in einem organischen Prozess entstanden, der auch immer noch läuft. In erster Linie soll es ein vielfältiges Programm geben für die Nachbarschaft, aber auch von der Nachbarschaft. Auch, um über die Thematik der Friedhöfe an der Hermannstraße zu informieren und zu diskutieren. Der Saal oben und der Gewölbekeller können für Veranstaltungen gemietet werden. Als Nachbar*in kann man sich mit Ideen und Projekten, die man verwirklichen will, an uns wenden und wir schauen dann, ob und wann Räume zur Verfügung stehen.

 

QM: Einige Projekte sind auch bereits vor Ort, richtig?

Helen Gegenmantel: Genau, es gibt auch Projekte, die bereits in den Räumen sind. Einmal das Prinzessinnengarten Kollektiv, das nicht nur draußen gärtnert und das Café dort betreibt, sondern zum Beispiel auch Workshops in der Kapelle anbietet. Dann das Projekt von Campus Cosmopolis, Campus Climate Café, das sich vor allem mit Fragen zur Klimagerechtigkeit und Migration beschäftigt, viele DIY- und Upcycling-Workshops anbietet und auch für Kinder viel, meist mehrsprachiges, im Programm hat. Außerdem ist das Projekt Schillament hier angesiedelt, das ein neues Nachbarschaftsgremium aufbaut. Und die Ankerorte aus dem Kiez nutzen die Kiezkapelle für regelmäßige Vernetzungstreffen.

 

QM: Wie ist jetzt die weitere zeitliche Planung?

Helen Gegenmantel: Wir sind schon gut gestartet. Letztes Jahr im Winter hat eine große Feier stattgefunden, in deren Rahmen auch die Kiezköpfe-Ausstellung Vernissage gefeiert hat – das war der Auftakt. Seitdem haben wir immer wieder Projekte und Veranstaltungen hier gehabt. Aktuell gerade erst die Neuköllner Oper, eine Kunstausstellung zu den Themen Wandel und Vergänglichkeit und die Dice-Conference. Was die Sanierung angeht, ist jetzt der Boden fertig, die Heizung läuft und nun steht noch der Gewölbekeller aus. Durch eine Bedarfsabfrage haben wir erfahren, dass er gerne für ein vielfältiges Kursangebot genutzt werden würde, sodass wir einen Holzboden verlegen. Da planen wir nach der Sanierung ein regelmäßiges Kursangebot am Abend. Durch Corona ist die Nutzung der Kapelle natürlich stark eingeschränkt. Je nach Corona-Lage soll so bald wie möglich ein Eröffnungsfest stattfinden.

 

Update (27.11.):

 

 

Als Nachfolge für das Quartiersmanagement Schillerpromenade, dass Ende 2020 nach 20 Jahren aus dem Programm Soziale Stadt entlassen wird, hat die Bezirksregion zu Mitte September 2020 eine Stadtteilkoordination bekommen.

Die neue Stadtteilkoordination befindet sich in Trägerschaft des Evangelischen Friedhofsverbandes Berlin Stadtmitte, der auf sein nachbarschaftliches Engagement rund um die Friedhofsflächen an der Hermannstraße aufbauen kann. Das Team ist ab sofort in der Kiezkapelle anzutreffen.

 

 

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Eva Schneider.

 

 

Aktuelles zur Kiezkapelle ist auch hier nachzulesen: http://www.kiezkapelle.de/

Übrigens gibt es auf der Seite http://www.schillerraum.de/ Informationen zu Räumen im Kiez, die zu gemeinnützigen Zwecken gemietet werden können.