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Mieterberatung

Geld und Geduld –Jenny Petzold über den Fördermitteldschungel und langen Atem in der Projektarbeit

Die Broschüre „Arbeiten im Projekt“ ist gedruckt, das Projekt ging mit dem Jahr 2018 zu Ende – ein Montagmorgen im Café Lux mit Jenny Petzold, die lokale Vereine und Einrichtungen im Schillerkiez von 2015 bis 2018 bei Fundraising und Fördermittelakquise unterstützte.

 

 

KIEZREDAKTION

Hallo Jenny! Vielleicht kannst du uns erst einmal etwas zu deiner Person erzählen – wie bist du zum Thema Fördermittelakquise gekommen?

 

JENNY PETZOLD

Ja, ich bin Diplom-Geografin von Hause aus, 36 Jahre alt und seit 2010 in Berlin. Nach meiner Abschlussarbeit habe ich erst einmal in der Marktforschung gearbeitet – habe aber relativ schnell gemerkt,dass ich in so einer Agentur bzw. dem klassischen Wirtschaftsbetrieb nicht gut funktioniere. Über eine Freundin bin ich darauf gestoßen, dass es eine Fundraising-Ausbildung gibt. Da ich schon immer sehr Zahlen-affin war und Erfahrungen mit Finanzen hatte, hat das gepasst. Nach der Fundraisingausbildung habe ich mich Ende 2013 relativ schnell selbstständig gemacht. Ich habe dann einfach in mein Netzwerk gerufen: „Hey Leute, ich bin jetzt Fundraiserin! Wer mich braucht, meldet sich“ und das ging dann super schnell, der Bedarf ist einfach riesig [...] Ich habe für mich herausgefunden, dass ich speziell mit kleinen und mittleren Organisationen arbeiten möchte, weil ich früher auch selbst in diesen Kreisen aktiv war.

 

KIEZREDAKTION

Wie sieht die Förderlandschaft denn momentan aus für Kiezprojekte? Ist es gerade eine gute Zeit, um Jenny Petzold mit der frisch gedruckten Broschüre „Arbeiten im Projekt“ (kostenfrei abzuholen im QM-Büro) Fördertöpfe zu finden? Wenn ja welche sind es, die für die Kiezarbeit wichtig sind?

 

JENNY PETZOLD

Das ist ganz unterschiedlich. Es gibt natürlich immer bestimmte Themen, die politisch vorangetriebenund vorrangig gefördert werden. Natürlich war ab 2015 Migration, Flucht und Integration ein großes Thema. Mit dem Erstarken des Rechtspopulismus und der AfD sind Demokratieförderungen, Toleranz- und Antirassismusförderungen relativ stark geworden,was auch durch unsere aktuelle rot-rot-grüne Berliner Regierung unterstützt wird. Das sind Dinge, die auch für die Kiezarbeit ganz wichtig sind: das Miteinander, Kiezgestaltung, alles in Richtung Anti-Gewalt-Arbeiten. Das ist sehr vielseitig, da können sich Träger aus dem Bildungsbereich, aus dem kulturellen Bereich, Umweltbereich – die können sich da alle ankoppeln. [...] Es mangelt in den seltensten Fällen an vorhandenem Geld. Konkret lohnt sich für die Kiezinitiativen z.B. die Bürgerstiftung Neukölln, natürlich auch die Quartiersmanagements, das Bezirksamt oder das Netzwerk Selbsthilfe. Ich bin auch großer Fan von Quartiermeister, da habe ich mich selbst mal engagiert.

 

KIEZREDAKTION

Dein QM-Projekt lief ja auch bereits 2015 mit anderem Schwerpunkt an. Die Nachfrage war so groß, dass es noch weiterging?

 

JENNY PETZOLD

Ja, nach zwei Jahren hat man ja viel Aufbauarbeit geleistet. Und dass einfach so hinten runter fallen zu lassen war nicht im Sinne der Sache. Der Bedarf wurde gesehen und dementsprechend wurde die Förderung für zwei weitere Jahre ausgeschrieben.

 

KIEZREDAKTION

Gab es in deiner Zeit im Schillerkiez auch Vereinsneugründungen mit Hilfe deiner Beratung? Oder allgemein Vereinsarbeit, die du unterstützen konntest?

 

JENNY PETZOLD

Die Organisationen konstant zu begleiten hat sich als weniger praktikabel herausgestellt, da viele in ihrer Projektarbeit so gefangen sind, dass es für sie ein zusätzlicher Aufwand ist. Das haben nicht so viele wahrgenommen wie erhofft. Aber viele haben die offene Beratung genutzt, um punktuell Fragen zu stellen. Und die betrafen oft Vereinsgründungen oder die Vorarbeit dazu. Ob sich all die wirklich gegründet haben kann ich leider nicht sagen, dafür war das Projekt nicht groß genug. Aber manche habe ich dann wieder in einem meiner Workshops gesehen...

 

KIEZREDAKTION

Die Workshops hast du themenspezifisch aufgebaut. Gab es Themen, bei denen es besonders viel Nachfrage gab oder die im Kiez besonders Anklang gefunden haben?

 

JENNY PETZOLD

Ja, das war ganz klassisch: „Wo bekomme ich die Förderung her?“ – also wirklich die konkreten Themen der Fördermittelakquise. Die Workshops zu Recherche und Finanzierung waren am besten besucht – insbesondere für die Themen Bildung, Kunst, Demokratieförderung und Integration. Aber man muss auch sagen, dass der Bedarf in einem sehr eingeschränkten Gebiet wie dem Schillerkiez irgendwann abnimmt.

 

KIEZREDAKTION

Schauen wir uns die Broschüre „Arbeiten im Projekt“ noch einmal genauer an. Was kann man genau darin finden und an wen richtet sich das Format?

 

JENNY PETZOLD

Ich habe die Broschüre vor allem so konzipiert, dass sie für kleine Organisationen mit wenigen Ressourcen hilfreich ist. Als schnelles Nachschlagwerk ohne Millionen an Seiten. Im Grunde genommen ist es ein Startpunkt für alle: Von Ideensfindungsprozessen über Projektentwicklung und welche Tools es dafür gibt, bis hin zu themenspezifischen Finanzierungsmöglichkeiten. Das ist nämlich häufig das Problem, dass viele nicht wissen wo sie anfangen sollen zu recherchieren. Mein Tipp ist auch bei anderen Projekten nach deren Förderern und Förderlogos zu schauen. Die Broschüre liefert außerdem eine Starthilfe zur allgemeinen Arbeit im Verein und einen typischen Projektablauf. Und das eben auf schlanken 20 Seiten, bewusst einfach gehalten. [...] Ich glaube die Broschüre ist neben den individuellen Hilfen, die ich den Organisationen geben konnte, wahrscheinlich die Nachhaltigste. Häufig ist das erlangte Wissen aus einer Beratung z.B. weg, sobald die Person selbst nicht mehr aktiv ist. Aber es gibt jetzt für Neukölln ein neues Projekt: Neukölln VEREINt, die diese Beratung in größerem Maßstab machen können. Darauf bin ich auf jeden Fall gespannt, da werde ich auch Workshops geben.

 

KIEZREDAKTION

Du hast von Phasen verschiedener Förderthemen gesprochen, die sich immer wieder ändern. Wenn du die vier Jahre seit Beginn 2015 Revue passieren lässt – hast du auch in deiner Beratung Veränderungen erlebt?

 

JENNY PETZOLD

Mmh, gute Frage! Also ich glaube am Anfang war sehr viel Neugier da. In der ersten Phase gab es viel Kunst und Kultur und später, eventuell auch mit dem Ort im Nachbarschaftstreff zusammenhängend, mehr integrative Projekte und Vereine. Die Organisationen, die sich gründen wollten, waren auch eher in dem Bereich, z.B. migrantische Selbsthilfe. Das ist hier schon sehr stark. Ich habe allerdings noch nicht ausgewertet, deshalb kann ich es noch nicht in Zahlen sagen.

 

KIEZREDAKTION

Wenn du jetzt noch einmal auf die vier Jahre zurückblickst – gibt es ein Projekt, das dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

 

JENNY PETZOLD

Ich freue mich immer noch total, dass wir mit Al-Huleh bei der Lottostiftung Geld in voller Höhe bewilligt bekommen haben, das finde ich toll. Und es gab außerdem relativ viele kleine Kunstinitiativen, denen ich helfen konnte. Eine Aktive hat sich zeitweise wie in meine Rolle versetzt und mit ihrem Netzwerk Anträge geschrieben und sich dafür bei mir immer Feedback eingeholt. Da sind ganz viele kleinere Anträge durchgekommen. So wurde das weitergetragen!

 

 

Das Interview kann hier als PDF-Version heruntergeladen werden.

 

 

Broschüre Arbeiten im Projekt